auf dem Rücken der Pferde...

 

Hanne Brenner


Paralympic-Siegerin im Dressurreiten mit Handicap 2008 in Hongkong

Behindert ist nur der, der sich selbst behindert


Wer bin ich

Mein Name Hannelore oder besser: Hanne Brenner.
Ich bin 1963 geboren und seit einem Reitunfall im Jahre 1986 bin ich inkomplett querschnittgelähmt. Das bedeutet, dass bei dem Unfall nicht alle Nerven im Rückenmark zerstört wurden, sondern nur ein Teil. Hierdurch bin ich noch in der Lage, mit Hilfe von Stöcken und Schienen bzw. Spezialschuhen zu laufen.

Ich habe rundum das Gefühl, vollständig als Behinderte in unserer Gesellschaft integriert zu sein und ich bin der Überzeugung, dass Integration bei den Betroffenen selbst beginnt. Wenn wir mit unserem Handicap normal umgehen, tut dies auch unsere Umwelt. Und das sehe ich auch als Verantwortung und als meine Aufgabe.

1989 zog mich mein Studium in Heidelberg in den "Süden". Bis dahin war ich eine "echte Norddeutsche", die sich in Lüneburg sehr wohl gefühlt hat. Nach dem Studium begann mein Arbeitsleben 1992 bei der Deutschen Telekom zunächst in Heidelberg im Controlling, später dann in der Softwareanalyse und Softwareent -wicklung in Darmstadt und schließlich in der Vertriebssteuerung in Mannheim. Insgesamt 17 Jahre war ich für dieses Unternehmen tätig, bevor ich ihm Anfang 2009 den Rücken kehrte und bei Lotto Rheinland-Pfalz im Herzen von Mainz anfing. Lotto ist der größte Sportförderer im Lande und mir deshalb seit vielen Jahren gut bekannt. Hier zu arbeiten, ist für mich in mehrfacher Hinsicht sehr schön. Ich werde unterstützt in allen Belangen meines Sports, bekomme frei, wenn Championate, Traningswochenenden etc. anstehen und stoße immer auf Verständnis meiner Kollegen, wenn mein Sport mich zu irgendwelchen Aktionen zwingt. Zudem habe ich hier meine wirkliche „Berufung“ gefunden. Ich unterrichte Menschen, die in Lotto-Annahmestellen arbeiten möchten und stelle fest, dass ich mich als „Trainer“ richtig wohl fühle.

Mit 12 Jahren habe ich mit dem Reiten begonnen und war vor meinem Unfall Vielseitigkeitsreiterin. Der Unfall passierte bei einer Landesmeisterschaft (eine große L-Vielseitigkeitsprüfung) in Luhmühlen (südlich von Hamburg). Am 3-letzten Hindernis der Querfeldeinstrecke (nach ca. 4 km) stutzte mein Pferd. Ich machte den Fehler, es trotzdem zum Springen aufzufordern, was es dann auch tat. Der Sprung war auf Höchstmaß gebaut, fest und ein Tiefsprung (Landestelle 2 m tiefer als Absprungstelle). Das Pferd blieb mit den Vorderbeinen hängen und überschlug sich, mich unter sich begrabend. Für die Schwere des Unfalls denke ich, bin ich mit der inkompletten Querschnittlähmung noch ganz gut davon gekommen. Danach war ich jahrelang nur "Hobbyreiter" und hatte das Glück, das Pferd einer Freundin mitreiten zu dürfen. Dieser kleine russische Traber mit Namen Wasi schenkte mir sehr viel Vertrauen und das Bedürfnis, mal wieder wissen zu wollen, was eigentlich noch geht. So kam ich letztlich 1997 selbst zum Pferd. Geronimo hieß mein Neuerwerb und eigentlich wollte ich ihn nur als Freizeitpferd haben. Aber es dauerte nicht lange und mich packte das "Turnierfieber". Bald schon startete ich auf Regelturnieren und auf Spezialturnieren für Behinderte. Tja, und dann ging eigentlich alles ganz schnell.

Video:
Hanne Brenner
http://www.youtube.com/watch?v=ZAxuWpn8FyE


Meine Pferde

Women of the World,
Hannoveraner- Fuchsstute, Jahrgang 1995.
Walt - Disney - Tochter, mütterlicherseits von Pik Bube abstammend.
Women of the World ist das Pferd meines Lebens. Wir sind auf ausgesprochen ungewöhnliche Weise zusammengekommen und ich bin davon überzeugt, dass wir auch zusammen gehören! Wir haben gemeinsam in fünf Jahren 15 Medaillen auf Championaten gewonnen, von den zehn Einzelmedaillen waren sieben aus Gold. Wenn wir gesund bleiben und uns qualifizieren, geht Women of the World im August 2012 mit mir auf ihre zweiten (und meine vierten) Paralympics nach London.
Für sehr lange Zeit gab es für mich aus Pferdesporttechnischer Sicht nur ein Ziel:
Die Paralympics 2008 in Peking, für die
Reiter in Hongkong  --  was für ein Erlebnis!!!

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Nachdem ich meine Stute Women of the World Anfang 2006 kaufte, benötigte ich zunächst einmal viel Zeit und Geduld, um sie fit und gesund zu kriegen. Als es endlich soweit war, verletzte sie sich im Juli 2006 so schwer, dass ich sie sieben Monate Schritt führen musste. Dann folgte bis Mitte 2007 eine Aufbauzeit, in der mir schon öfter Zweifel kamen, ob wir es wohl schaffen würden, mein Stütchen wieder zum Laufen zu kriegen. Schließlich stand die Weltmeisterschaft 2007 in England an und in etwas weiterer Ferne und doch nah genug: die Paralympics 2008 in China.
Ich wollte mit meinem Traumpferd dorthin und hoffte inständig, dass es uns gelingt.

Und wir haben es geschafft !
Ich hatte unendlich viel Angst, als mein Stütchen in Aachen, wo wir die Vorbereitung für Hongkong hatten, in den LKW stieg und zum Flugplatz nach Amsterdam fuhr.
Was tat ich ihr da an? Würde sie den Flug und auch das heiße, tropische Klima in Hongkong verkraften? Ja, sie hat alles total problemlos überstanden. Im Gegenteil, sie wurde in Hongkong von Tag zu Tag fitter und kerniger.

Am 7.September 2008 begannen die Prüfungen. Wir ließen es ruhig angehen und bekamen für eine schöne, fehlerfreie, aber wahrlich nicht spektakuläre Runde eine Wertnote über 70 Prozent. Damit haben wir die Teamprüfung gewonnen und waren super auf die folgenden Prüfungstage eingestellt. Die Individual oder auch Pflicht -aufgabe am Donnerstag lief dann wie am Schnürchen. Mein Stütchen war frischer und ausdrucksstärker als in der Teamprüfung und war dennoch immer bei mir. Es war von Anfang an ein Genuss, diese Prüfung in diesem Stadion mit diesem Pferd
zu reiten. Dass es hierfür Gold gab, war fast nur eine Zugabe. Allerdings eine Zugabe, die mich unendlich stolz und glücklich gemacht hat!


Dressurreitanlage Hongkong, Olympiade 2008

Tja und dann kam unsere Meisterprüfung:
Die Musikkür! Nachdem Women of the World am Vortag bei der Siegerehrung allen die Show gestohlen hatte und sich unglaublich aufgeführt hatte, war mir klar, dass sie diese Aufregung mit ins Stadion nehmen würde. Sie war schon beim außen rumreiten auf 180 und als dann die Musik dann viel zu laut begann, dachte ich, sie würde unter mir explodieren. Tat sie aber nicht. Sie legte all ihre Anspannung in die Trabverstärkung und brachte damit das chinesische Publikum zum Raunen. Was für ein Gefühl! Ich gebe zu, das waren die längsten fünf Minuten meines Lebens, aber es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht. Dieses Pferd ist wirklich eine Offenbarung! Ich bin überzeugt davon, dass sie sich für mich zusammen gerissen und voll mitgekämft hat. Und das wurde wiederum mit Gold „belohnt“!

Ohne Dorte Christensen, meine Trainerin und Lebensgefährtin, wäre dieser Erfolg nicht denkbar gewesen. Sie hat sowohl mein Pferd als auch mich super für Hongkong vorbereitet und tut es nach wie vor. All die Jahre danach bis zum jetzigen Zeitpunkt sind wir immer vorne mit dabei gewesen und werden im August 2012 hoffentlich zusammen nach London fahren. Seit wir zusammen trainieren, haben wir es geschafft, jedes Jahr ein bisschen „draufzulegen“.

Women of the world und ich stehen seit 5 Jahren an der Spitze im Behindertenreit -sport und das geht nur, wenn man sich jedes Jahr ein bisschen verbessert und niemals glaubt, man ist gut genug. Dortes Schwerpunkt liegt dabei immer in der Gymnastizierung des Pferdes und der Verbesserung der Losgelassenheit. Und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit einem Pferd wie Women muss man Lektionen nicht ständig üben. Wenn sie zufrieden und locker geht, klappen die Lektionen fast von allein, auf jeden Fall aber fallen sie viel leichter. Ich selbst habe eine wesentlich professionellere Einstellung zum Reiten bekommen. Wenn ich trainiere, dann lasse ich mich nicht ablenken und ich arbeite viel konzeptioneller.
Das führt dazu, dass ich bestimmte Dinge besser abrufen kann und das wirkt sich
in Prüfungen natürlich positiv aus.


Lyriker
Der Professor, gekörter Hannoveraner - Hengst, Jahrgang 1990,
Stockmaß: 170cm Lysander-Sohn aus einer Wenzel 1 - ShogunXX - Mutter
Was ist das für ein Pferd ?
Durch das ganze Hin- und Her nach Athen im September 2004 und die sehr umfang -reiche Berichterstattung in den Medien, bekam auch Hans-Peter Lange, ein Unterneh mer aus Heidelberg, einen Zeitungsartikel in die Hände.

Dies war Mitte Oktober 2004. Ich befand mich zu dieser Zeit immer noch in einem "Trauma". Hatte sich doch mein ganzes Leben schlagartig geändert. Mir fehlte Fabiola unendlich und ich war frustriert, wenngleich auch nicht hoffnungslos. Ich wusste, es würde sich ein Weg auftun. Nur welcher, war mir noch nicht klar. Und dieser Weg öffnete sich mit dem Anruf von Hans-Peter Lange. Er kannte mich von Turnieren, seine Eltern hatte ich bei anderer Gelegenheit auch schon kennen gelernt und so war eine "Verbindung" zu mir irgendwie vorhanden. Herr Lange hatte damals vier Pferde, die alle bis M bzw. S ausgebildet waren und dachte eigentlich an ein ganz anderes Pferd. Den probierte ich dann auch aus, kam aber nicht mit ihm klar. Also habe ich mich auf Lyriker gesetzt. Lyriker war ein sehr gut ausgebildetes und gerittenes Pferd, das alles machte, vorausgesetzt der Reiter machte es richtig... Lyriker war und ist das ausgeglichenste Pferd, das man sich vorstellen kann. Mit ihm war es mir möglich, an die Erfolge, die ich zuvor mit Fabiola hatte, anzuknüpfen. Wir wurden mehrmals Deutscher Meister und auch Europameister. Insgesamt bin ich sehr froh und dankbar, dass ich Hans-Peter Lange und Lyriker fast 3 Jahre lang an meiner Seite hatte. Lyri war wie mein eigenes Pferd und ich konnte mit ihm den Verlust von Fabiola viel besser verkraften..


Fabiola
Oldenburger-Fuchsstute, Jahrgang 1995. Argentinus-Tochter aus der Espri von Fahnenträger II / Matador. Mein Traumpferd ( und das wird es auch immer bleiben...)
Was ist mit diesem Pferd bzw. was ist das für ein Pferd? Fabiola kam im Mai 2002 zu mir und änderte mein Leben. Zumindest mein Reiter -leben. Sie wurde mir von der Kampmann GmbH zur Verfügung gestellt und war das erste gesponserte Pferd in unserem Sport. Ich war überglücklich, dass ausge -rechnet ich das große Glück hatte, so ein Pferd reiten zu können. Ein Pferd, das in jeder Hinsicht ideal für den Behindertenreitsport ist. Sie ist ausgeglichen, selbst -bewusst, intelligent und fleißig. Ihr regelmäßiger, großer Schwung erleichtert uns Behinderte die Aufrichtung und die Oberkörperspannung.

Ich hatte 2 1/2 sehr schöne Jahre mit meinem Traumpferd. Wir lernten sehr viel voneinander und unsere Bindung wurde jeden Tag ein bisschen enger. Ich habe mich jeden Tag auf dieses Pferd gefreut. Nicht nur auf das Reiten, sondern auf das Zusammensein mit ihr. Sie ist etwas ganz Besonderes und ich glaube, dass sie sehr glücklich war bei und mit mir. Auf Fabiola habe ich zum ersten Mal gespürt, was Reiten, was Dressurreiten wirklich bedeutet. Wir wurden zu einer Einheit und konnten uns mental verständigen. Die Hilfen wurden immer feiner und das Reiten dadurch immer schöner. Viele Erfolge liegen auf unserem gemeinsamen Weg:
Im Behindertensport:
3 x Deutscher Meister- Doppel-Europameister- Doppelter Vize-Weltmeister
Im Regelsport:
viele Siege und Platzierungen bis zur Klasse M / Kat. A

Leider ging unsere gemeinsame Zeit nach den Paralympics in Athen 2004 vorbei.. Die Eheleute Kampmann haben Fabiola direkt nach ihrer Ankunft zu sich geholt. Danach hatte ich leider gar keinen Kontakt mehr zu ihr und weiß somit auch nicht, was mit ihr passiert ist. Ich denke noch immer sehr oft an dieses wunderbare Pferd, das mir so viel Freude geschenkt hat!.

Meine größten Erfolge im Behindertenreitsport sind bis jetzt:
1999 Weltmeisterin, Gold in der Pflicht bei den Weltmeisterschaft in Dänemark
2000 4. Platz in der Kür bei den Paralympics in Sydney
2002 Doppel-Europameisterin, 2x Gold und Mannschaftssilber in Portugal,
Deutsche Meisterin
2003 Doppel-Vizeweltmeisterin, 3 x Silber bei der Weltmeisterschaft in Belgien
2004 Silbermedaille und Mannschaftssilber, bei den Paralympics in Athen
2005 Europameisterin, Vizeeuropameisterin und Mannschaftssilber, Gold und
2 x Silber bei der Europameisterschaft in Ungarn, Deutsche Meisterin
2006 Deutsche Meisterin
2007 Doppel-Vizeweltmeisterin und Mannschaftssilber 2 x Silber und Bronze
bei der Weltmeisterschaft in England, Deutsche Meisterin mit Women of the World
2008 Doppel-Olympiasiegerin, 2 x Gold und Teamsilber bei den Paralympics in Hongkong mit Women of the World
2009 Doppel-Europameisterin und Mannschaftssilber, 2 x Gold und Teamsilber
bei der Europameisterschaft in Norwegen, Deutsche Vizemeisterin mit
Women of the World
2010 Doppel-Weltmeisterin (Championshiptest) und Mannschaftssilber,
2 x Gold und Teamsilber bei den Weltreiterspielen in Kentucky, Deutsche Meisterin mit Women of the World
2011 Europameisterin, Vizeeuropameisterin und Mannschaftsbronze, Gold und Silber im Einzel, Bronze mit dem Team in Belgien, Deutsche Meisterin
mit Women of the World
2012 Doppel-Olympiasiegerin, zwei Goldmedaillen bei den Paralympics London, Deutsche Meisterin mit Women of the World

Deutsche Meisterin
2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2010, 2011und 2012
Deutsche Vizemeisterin 2009
Meinen größter Erfolg im Regelsport konnte ich 2011 mit dem ersten Sieg in der
S-Klasse feiern, darüber hinaus gab es wie in den Jahren zuvor noch diverse Siege und Platzierungen in M- und S-Dressuren.

Auszeichnungen
2008 Landessportlerin des Jahres (Rheinland-Pfalz)
2008 PSI-Award
2009 Friedensreiterpreis
2011 Silbernes Pferd in der Kategorie Persönlichkeit
2012 Silbernes Lorbeerblatt

Seit 2008 arbeite ich mit meiner Trainerin Dorte Christensen zusammen. Seit diesem Zeitpunkt konnte ich mit ihrer Unterstützung eine noch professionellere Einstellung zum Reitsport entwickeln. Das Training und der Umgang mit den Pferden ist erheblich intensiviert worden.

IMPRESSIONEN...


Meine ganz persönliche Mutprobe erlebte ich im Oktober 2005, als Sonja Hünecken und Michael Inselmann von "Art of you Design" auf mich zukamen. Sie wollten einen Kalender für 2006 mit Sportlern der Paralympics herausgeben und suchten nach Teilnehmern. Neugierig geworden sah ich mir frühere Arbeiten der beiden an und fand die Bilder wunderschön. Die Vorstellung, zusammen mit meinem Pferd Lyriker dabei zu sein, reizte mich so sehr, dass ich für ein Foto-Shooting zusagte.

Diese Bilder stellen die Ästhetik des Körpers und den Menschen mit seiner jewei -ligen Behinderung in den Vordergrund. Sie geben somit genau das wieder, wie ich meine Behinderung empfinde. Nicht als Last, sondern als einen Teil von mir. Und ich bin sicher, dass die anderen Sportler ähnlich empfinden.









Hanne Brenner mit Aragon




mit Woman of the World












...beim Hobbytauchen

Im Oktober 2001 waren wir Gast auf der Insel Vilamendhoo (süd-östliches Ari-Atoll, Malediven). Hier hatten wir das unglaubliche Glück, mit einer Schule Mantas und sechs, sieben Walhaien zusammen tauchen zu können. Dies war ein unbeschreib -liches Erlebnis.



                                                                                        ...und in Feierlaune


Ausführliche Information und Kontakt:
Text, Fotoquelle: Hannelore Brenner
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Mail: hanne.brenner@email.de
Telefon 06243 - 5299 - Mobil: 01716519095

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Anmerkung der Redaktion:
Wir bedanken uns an dieser Stelle für Ihre Informationen,
den Zugriff auf Ihre Seite, und Ihre Mitwirkung Frau Brenner !
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