auf dem Rücken der Pferde...

 

Dressurreiten mit Handicap


                                      Therapeutisches Reiten allgemein

Dem Oberbegriff  "Therapeutisches Reiten" lassen sich drei Fachbereiche zuordnen:

Das Pferd in der Medizin  -  Das Pferd in der Pädagogik  -  Das Pferd im Sport

Mit der Hippotherapie wird die gleichmäßige Bewegung des Pferdes im Schritt genutzt, um auf neurophysiologischer Basis bei bestimmten Krankheiten des zentralen Nervensystems sowie des Stütz- und Bewegungsapparates eine Wirkung zu erzielen, die mit normaler krankengymnastischer Behandlung nicht erreicht werden kann.

Das Pferd in der Pädagogik
Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten sind Fördermaßnahmen, die durch zusätzlich ausgebildete Pädagogen/Psychologen bei verhaltensauffälligen, lernbehinderten, geistig behinderten Menschen und psychisch kranken Menschen eingesetzt werden kann.

Das Pferd im Sport
Behindertenreiten und -fahren und Behindertenvoltigieren als Sport für Behinderte erweitern das Angebot sportlicher Aktivitäten in einer Richtung, die bisher nur Nichtbehinderten zugänglich war.

Der letzte Punkt, nämlich das Reiten als Sport für Behinderte, ist nun genau der Themenbereich, über den hier informiert werden soll:  Reitsport für Behinderte
Das Reiten als Sport für Behinderte oder anders ausgedrückt das Reiten mit Handicap gliedert sich noch einmal in zwei Teilbereiche und zwar in:

Freizeit - Breitensport
Hier steht die sinnvolle Freizeitgestaltung mit dem Tier im Vordergrund, verbunden mit der sozialen Integration und dem Ausgleich behinderungsbedingter Bewegungsarmut.

Leistungssport
Im Leistungssport nehmen behinderte Reiter/Fahrer sowohl an Regelturnieren gemeinsam mit Nichtbehinderten als auch an speziellen Behindertenturnieren teil.
Der Arbeitskreis "Reiten als Sport für Behinderte" des DkThR (Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V. mit Sitz in Warendorf) hierfür Richtlinien und eine Aufgabensammlung für Wettkämpfe im Behindertensport erarbeitet und mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) abgestimmt.





Ähnlich wie in Rollstuhlsportarten (z.B. Rollstuhlbasketball) gibt es auch im Behinderten-Sport-Reiten eine Einteilung der Reiter aufgrund der Schwere der Behinderung in sogenannte "Grades". Hiermit soll sichergestellt werden, dass "vergleichbare" Einschränkungen zu "vergleichbaren" Leistungen führen. Für jedes Grade existieren eigene Aufgaben.

Grade 1
bezeichnet die am schwersten behinderten Reiter. Die Athleten sind hauptsächlich Rollstuhlbenutzer, entweder mit geringer Rumpfbalance oder mit begrenztem Arm- und Beinfunktionen. Athleten mit fehlender Rumpfbalance, aber guten Armfunktionen sind auch in dieser Klasse startberechtigt. Geritten werden Prüfungen mit Schritt- und wahlweise Trabsequenzen.

Grade 2
bezeichnet die Athleten, welche zumeist Rollstuhlbenutzer mit starken Einschränkungen der Beinfunktionen und/oder der Rumpfbalance sind, aber gute bis leicht behinderte Armfunktionen. besitzen. Athleten ohne Bewegungsfunktionen eines Armes und eines Beines sind auch in dieser Klasse startberechtigt. Die Prüfungen bestehen aus Schritt- und Trabsequenzen und wahlweise in der Kür mit bestimmten Galopplektionen. 

Grade 3
ist das in Deutschland am meisten vertretene Grade. Die Athleten können in der Regel ohne Unterstützung gehen. Sie haben Behinderungen entweder an einem Arm und einem Bein, mäßige Behinderungen in beiden Armen und beiden Beinen oder schwere Behinderungen der Arme. Athleten, die als B1 (blind) klassifiziert sind, können auch in dieser Klasse starten. Ebenso solche, die einseitig hoch beinamputiert sind. Die Prüfungen bestehen aus Schritt- Trab- und Galoppsequenzen. Die Anforderungen entsprechen vergleichbar der Klassen A bis L.

Grade 4
ReiterInnen müssen Aufgaben vergleichbar zur Dressur der Klassen L-M auf "Normalturnieren" absolvieren. Die Athleten haben Behinderungen nur in einer oder zwei Gliedmaßen oder Einschränkungen der Sehfähigkeit. Die Prüfungen bestehen aus Schritt- Trab- und Galoppsequenzen, wobei die Kür annähernd alle vorstellbaren Dressurlektionen enthalten kann, wie z.B. Serienwechsel etc..

Bei der Beurteilung der Leistungen in allen Grades wird sehr viel Wert auf das korrekte Reiten, die Linienführung, die Einwirkung des Reiters, die Losgelassenheit des Pferdes etc. gelegt. In den Küren ist es in allen Startklassen möglich, höhere Dressur-Lektionen zu zeigen. Allerdings gibt es aus Sicherheitsgründen bestimmte Einschränkungen z.B. darf ein Grade-2-Reiter keine Galopppirouetten reiten, während Trabtraversalen etc. erlaubt sind.

Anhand dessen, wie das Pferd geht, kann jeder die Einwirkung des Reiters erkennen und beurteilen. Man wird sich wundern, wie schnell sich jedes Pferd auf die "andere Art der Hilfengebung" einstellen kann und will. Hier ist halt gefragt, das Pferd nicht mit Kraft zu reiten, sondern mit "know-how". Jeder von uns kennt seine Einschränkungen und hat gelernt, dem Pferd trotzdem mitzuteilen, was man vom ihm will. Und siehe da: Das Pferd versteht dieses!

Mein Verein IG Therapeutisches Reiten Rhein-Main e.V. bietet verschiedene Kurse für körperbehinderte Reiter und für deren Helfer bzw. nichtbehinderte Reiter an. Schauen Sie einfach auf meiner Homepage unter Termine, dort ist der Lehrgangsplan zu finden. Informationsmaterial kann über das DKThR
(Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten) in Warendorf, angefordert werden.


Text: Hanne Brenner
All rights reserverd by Hanne Brenner ©                                                                     
Wir bedanken uns an dieser Stelle für die Erlaubnis, den Artike von Frau Brenner
über Dressurreiten mit Handycap in unserem Portal veröffentlichen zu dürfen.
"Die Redaktion"

 








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